Altersschwindel
Prof. Zenner
Es handelt sich um die Kombination einer Degeneration der Innenohrleistung verbun den mit der altersbedingt reduzierten Lernfähigkeit (Plastizität) des Gehirns. Die Degeneration geht in der Regel einher mit einer Schädigung der Sinneszellen im Innenohr, den sog. Haarzellen. Aufgrund der nachlassenden Plastizität wird die Anpassungsfähigkeit des Gehirns (sog. zentrale Kompensa tion) an die nachlassende Innenohrleistung zusätzlich verringert.
Hinzu kommt eine außerordentlich häufige Immobilisation des alten Menschen, die der Kompensation entgegensteht: die allgemein im Alter zu beobachtende nachlassende Mobilität, evtl. noch verstärkt durch Störungen im orthopädischen Bereich, wird durch den Schwindel noch weiter verstärkt.
Die Folge ist ein Teufelskreis aus nachlassender Innenohrleistung, mangelhafter Plastizität und zu starker Immobilisation, wodurch die auch im Alter noch mögliche zentrale Kompensation behindert wird. Im Sinne eines Kellertreppeneffektes gerät der alte Mensch immer weiter in diesen Teufelskreis hinein.
Die Ursache der Degeneration des Innenohres bleibt häufig unklar. Nicht selten handelt es sich nicht um eine isolierte Störung des Gleichgewichtsorgans, sondern das Hörorgan ist in Form einer Innenohrschwerhörigkeit mitbetroffen. Für die Hörschnecke geht man weit überwiegend von einem Zivilisationsschaden durch Lärm und toxische Substanzen aus.
Für den Vestibularapparat ist dies weniger klar, aber auch hier wird man von einer Kom bination spontaner Degeneration und toxischer Schäden (Nikotin, Alkohol, arbeits platzbezogene Substanzen) ausgehen müssen.
Therapeutischer Angriffspunkt ist die Nutzung der verbliebenen Lernfähigkeit des Ge hirns. Dazu ist der Teufelskreis an der Immobilisation zu durchbrechen: Ein Gleichgewichtstraining (vestibuläres Kompensationstraining), wie in Dr. Zenner s Schwindel-Retraining-Konzept vorgesehen, ist bei leichten Fällen zweckmäßig, ausreichend und notwendig. Eine Arzneimitteltherapie hingegen greift nicht kausal an.
Bei schweren Fällen kommt eine sensomotorische Therapie mit der Vertidisan-APP in Frage.