Das Gleichgewichtssystem
DAS GLEICHGEWICHT DES MENSCHEN
Wie funktioniert unser Gleichgewichtssinn und warum spüren wir Schwindel?
von Prof. Dr. Zenner
Das Gleichgewichtsfunktionssystem ist im Wesentlichen in den Ohren lokalisiert. Aber zum Gleichgewichtsfunktionssystem gehören auch die Augen. Ihnen ist sicher schon aufgefallen, dass -wenn Sie die Augen schließen- der Schwindel möglicherweise etwas zunimmt. Und das wird Sie überraschen zum Gleichgewichtsfunktionssystem gehö ren auch sämtliche willkürlichen Muskeln des menschlichen Körpers. Aber eigentlich ist es keine Überraschung, denn wenn Sie mit Hilfe des Gleichgewichtssystems aufrecht gehen, dann steuert das Gleichgewichtssystem ja beispielsweise die Muskulatur Ihrer Beine, damit Sie nicht fallen. Also ist es ziemlich klar, dass hier eine Beziehung bestehen muss. Und: die Muskulatur sendet Signale an das Gehirn, damit das Gehirn weiß, ob die Muskulatur richtig arbeitet. Für die Verarbeitung all dieser Signale aus dem Ohr, aus dem Auge und aus der Muskulatur sind Teile des Gehirns zuständig. Schwindel tritt auf, wenn diese Teile des Gehirns bisher unbekannte Signale erhalten oder bekannte Signale fehlen. Das passiert z.B., wenn ein Ohr nicht mehr richtig funktioniert.
Wenn wir uns den Kern des Gleichgewichtsfunktionssystems im Ohr anschauen, dann treffen wir auf die sog.Bogengänge.
Die drei Bogengänge sind kreisförmig und dafür zuständig, kreisförmige Bewegungen (Drehbewegungen) aufzunehmen und an das Gehirn zu melden, und zwar jeweils in einer der drei Hauptdrehrichtungen. Außer dem gibt es noch zwei weitere Sensoren, die zuständig sind für die Bewegungen nach vorne und hinten, nach oben und unten, nach rechts und links. Sie heißen Capula und Makula (d in der Abb.). Weil es Geradeaus-Bewegungen sind, spricht man auch von Linear-Bewegungen.
Schaut man näher hinein, sieht eine gelatinöse Masse, die durch unsere Drehbewegungen hin- und herbewegt wird und die dadurch die Sinneszellen reizt. Im Linearsystem gibt es Steinchen (Otolithen), die in einem Netz sitzen. Angekoppelt an das Netz befinden sich die Sinneszellen. Wenn die Steine sich jetzt bewegen, z.B dadurch, dass Sie sich beispielsweise nach rechts, links oder nach oben oder unten bewegen -beispielsweise im Aufzug oder nach vorne oder hinten mit dem Auto dann werden die Sinneszellen ge reizt. Die Reizung der Sinneszellen führt dazu, dass ein Signal an den Gleichgewichtsnerven abgegeben wird. Der Nerv transportiert das Signal zum Gehirn.
Nun lasen Sie bereits: auch das Auge spielt eine Rolle. Der eine oder andere unter Ihnen hat schon erlebt, dass -wenn das Auge geschlossen ist oder es dunkel ist- der Schwindel weiter zunimmt. Das Auge ist nämlich auch in der Lage, festzustellen, ob wir aufrecht gehen, ob wir liegen oder ob wir stehen. Die Information vom Auge wird na turgemäß auch ins Gehirn transportiert, in diesem Fall über den Sehnerven. Diese In formationen werden an derselben Stelle im Gehirn verarbeitet wie die Informationen aus den Ohren. Interessant ist, dass wir bis heute nicht genau wissen, wo das ist. Also: ein Gleichgewichtszentrum im Gehirn ist bis heute unbekannt.
Und die Muskulatur, welche Rolle spielt die? Sicherlich haben Sie sich schon einmal überlegt, warum Sie in der Lage sind, mit geschlossenen Augen beispielsweise mit dem Finger ihre Nase zu treffen oder mit geschlossenen Augen können Sie einen Löffel in den Mund führen. Meine Augen sind geschlossen und ich kann feststellen, ob meine Hände oben oder unten, geschlossen oder offen sind. Das hängt damit zusammen, dass es tausende von Sensoren in der gesamten Skelettmuskulatur des menschlichen Körpers gibt und diese Sensoren in der Skelettmuskulatur (und auch solche in den Sehnen), die leiten auch Informationen zum Gehirn. Auch diese Informationen landen dann in dem Bereich, in dem auch die Gleichgewichts-Informationen aus dem Ohr und die Lagein formationen aus dem Auge verarbeitet werden. Also ein unglaublich komplexes System und das Gehirn muss gewissermaßen wie ein hochintelligenter Hochleistungscomputer dieses alles verarbeiten, damit Sie aufrecht laufen können und nicht fallen.
Wenn ich jetzt beispielsweise meinen Kopf und meinen Oberkörper zur linken Seite bewege, dann sagen alle Informationen: mein Kopf ist mit 35 zur linken Seite geneigt; die Informationen aus dem Auge, die Informationen aus beiden Ohren und auch die Information etwa aus der Rumpfmuskulatur und aus der Nackenmuskulatur. Wenn die Informationen übereinstimmen, ist das Gehirn zufrieden und es entsteht kein Schwindel. Sie ahnen schon, wenn wir jetzt im zweiten Teil die Frage stellen, wie entsteht Schwindel, dass dies etwas damit zu tun hat, dass ein Teil dieser vielen Informationen, die im Gehirn einlaufen, nicht mehr die ursprünglich Richtigen sind.
Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
Stellen Sie sich vor, in Ihrem rechten Ohr sind sämtliche Gleichgewichtssensoren aus gefallen. Es gibt Krankheiten, die dieses zur Folge haben können und wir werden in einem der nächsten Kapitel darüber sprechen. Also im Moment sagen wir jetzt einfach mal, das rechte Innenohr ist ausgefallen und es leitet keine vernünftigen Informationen mehr zum Gehirn. Wenn ich jetzt den Kopf zur linken Seite bewege, dann sagt das linke Ohr, der Kopf ist mit 35 zur linken Seite geneigt, die Rumpfmuskulatur gibt dieselbe Information, das Auge gibt auch dieselbe Information, aber das rechte Ohr gibt eine andere Information. Dadurch wird das Gehirn verwirrt und diese Verwirrung, die ver spüren wir als Schwindel.
Wenn ich das Auge aufhabe, dann ist das Auge gewissermaßen eine Art Schiedsrichter und am Schluss glaubt das Gehirn am meisten dem Auge und sagt, ja das wird schon stimmen, was das Auge mir da mitteilt. Es ist wohl doch so, dass der Kopf zur linken Seite geneigt ist, so dass mit offenen Augen der Schwindel nicht so schlimm erscheint. In dem Moment, in dem Sie die Augen schließen, entsteht eine besonders große Ver wirrung im Gehirn, denn das linke Ohr sendet eine völlig andere Information als das rechte Ohr an das Gehirn und auf diese Weise kann schwerster Schwindel, auch in Ver bindung mit Übelkeit und Erbrechen, entstehen. Das ist das Grundprinzip, wie Schwin del entsteht. Verwirrung im Gehirn dadurch, dass von einigen Sensoren falsche Informationen im Gehirn ankommen.
Und woraus besteht nun Dr. Zenner s Retraining-Kurs?
Stellen Sie sich unser Beispiel wieder vor: Das rechte Ohr ist das betroffene Ohr und es sendet völlig falsche Informationen. Wenn Sie jetzt das Gehirn trainieren, die Informa tionen, die vom rechten Ohr kommen, als Informationen zur Neigung 35 zu interpre tieren, also zu lernen, dass diese neuen Informationen vom rechten Ohr 35 zur linken Seite bedeuten, dann kann das Gehirn dies neuen Informationen erlernen und das ist es, was wir therapeutisch ausnutzen.
Das Gehirn lernt dies nicht sofort, sondern es braucht Zeit und man braucht noch länger Zeit, wenn man älter ist. Man braucht in der Regel Wochen bis Monate, bis das Gehirn die neuen Informationen erlernt und dazu man muss üben. Ohne zu Üben gibt es kein Lernen und deshalb ist Üben das Herzstück von Dr. Zenner s Retraining-Kurs. Auch sonst im Leben heißt es: Übung macht den Meister. Der Wirkme chanismus von Dr. Zenner s Retraining-Kurs besteht also darin, dass optokinetische und sensomotorische Übungen in Dr. Zenner s Retraining-Kurs genau diese Teile des Gehirns stimulieren, bis Sie die Empfindung für den Schwindel "verlernen". Ärzte sprechen von "zentraler Kompen sation"
Vertidisan bei starkem Schwindel oder Verlust des Gleichgewichts
Bei starkem Schwindel oder Verlust des Gleichgewichts reicht kein Kurs, sondern Sie brauchen eine Therapie. Diese besteht aus einem Therapieprogramm mit einer deutlich stärkeren Zusammenstellung von Vestibularisübungen, das zudem auf Ihre Diagnose eingestellt wird. Ein solches Programm finden Sie in der Vertidisan-APP, einem EU-weit zugelassenen Medizinprodukt, das Ihnen Ihr Arzt verschreiben kann. Private Versicherungen erstatten die Kosten in der Regel.